Hunde(führer)schule Herren
Nadja Herren
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Problemhund Kiro

Als Erstes möchte ich erwähnen, dass Dank der Verantwortung, die ich damals mit Hilfe der Hunde(führer)schule Oberthaler zu übernehmen lernte und den sehr früh getroffenen Vorsichtsmassnahmen, mein Hund Kiro niemals einen anderen Hund oder gar einen Menschen (ausser mich selbst) verletzt hat! Auch einen Problemhund, sogar mit massiven Aggressionsproblemen, hat meines Erachtens ein Recht auf Leben, denn solche Hunde sind nicht von Natur aus böse, sie verhalten sich natürlich und/oder wie sie es erlernten. Der Mensch trägt die Verantwortung, auch einem anspruchsvollen/schwierigen Hund, die Führung und Erziehung zu geben, die er benötigt. Es bedingt jedoch sehr viel vom Halter, welcher nebst der grossen Verantwortung, die er zu tragen hat, auch genügend Vorsichtsmassnahmen treffen muss. Ansonsten bleibt nebst der oft sehr schwierigen Weitervermittlung an einen fähigen und geeigneten Halter, leider nur der letzte Gang zum Tierarzt. Dazu muss ich jedoch betonen, dies sollte bei einem gesunden Hund der allerletzte Ausweg sein! 

Wer sich einen Hund anschafft, muss die Verantwortung für dieses Tier übernehmen, auch wenn sich der Hund anders Entwickelt als gewünscht. Der Mensch hat einen sehr grossen Einfluss auf die Entwicklung des jeweiligen Hundes und dieser sollte nicht für die Fehler seines Halters büssen müssen!  

Lesen Sie hierzu auch die Geschichte „ein Hund kommt ins Haus“ unter Aktuell

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Erfahrungen mit meinem Hund:

 

Als ich mich damals entschloss einen Hund zuzulegen, war die Rasse nach dem Studium diverser Rassenbücher schnell gefunden. Es sollte ein Diensthund werden, da ich aktiv im Sicherheitsdienst arbeite. Und von allen geeigneten Gebrauchshunde- Rassen, passte mir das Wesen des Rottweilers am Besten. Fast alle befreundeten Hundehalter rieten mir von dieser Rasse ab, weil es mein erster eigener Hund war. Vorher hütete ich Stunden, Tage und Wochenweise diverse Hunde, hatte aber nie die Zeit für einen eigenen.

Auch ich rate heute jedem Neu-Hundehalter eine andere Rassenwahl zu treffen, denn Rottweiler (auch diverse andere Rassen) sind nun mal keine Anfängerhunde. Ich war jedoch überzeugt diese Herausforderung zu meistern und auch gewillt alles Mögliche dafür zu tun.

Während der Suche nach einem geeigneten Rotti-Welpen verschlang ich diverse Bücher über Hundeerziehung und über die Rottweilerhaltung im Allgemeinen.Ich hatte damals keine Ahnung von Hundeerziehung obschon ich glaubte, ich hätte durch die vielen Bücher und Tipps von „Hündeler“ schon viel gelernt. Über ein Inserat fand ich einen „Züchter“ im Appenzell und ich holte meinen Welpen Kiro als er 11 Wochen alt war.

Die ersten zwei Wochen waren sehr speziell, denn Kiro hatte vor fast allem Angst. Er kannte weder Rasen noch irgendwelche normalen Gegenstände wie z.B. ein abgestelltes Fahrrad oder ein Abfalleimer.. Ich streichelte und lobte sämtliche ihm Angst machenden Dinge wie ich es in einem Buch gelesen hatte. Es wirkte. Auch vor fremden Menschen hatte er anfangs Angst, doch bei einem süssen Welpen findet man genügend Gewillte, die sich mit Leckerlis in der Hand hinknieten, damit Kiro sich zu ihnen traute und so vor Fremden bald keine Angst mehr hatte. Dabei gab es diverse sehr amüsante und zugleich erschreckende Momente. Nach dem die Leute den Welpen streichelten und ihn ja so süss fanden, fragten sie manchmal, was es denn für eine Rasse sei. Es gab sehr viele die bei dem Wort „Rottweiler“ die Farbe verloren und sich teilweise ohne ein weiteres Wort aus dem Staub machten, als hätten sie einen Geist gesehen (das war 2003!)

Auch eine Welpenspielgruppe zu finden, die einen Rottweiler aufnahm war schon damals nicht so einfach. Beim ersten Besuch, wurde er von ca 12 Welpen regelrecht überrannt und wenn er sich zwischen meinen Beinen Schutz suchte, sollte ich einfach weglaufen! Dies kam mir, obschon ich ja ein Hunde-Anfänger war, falsch vor (zu Recht!) und ich suchte mir für den 2ten Besuch wieder eine andere Welpengruppe. Eine Woche später, Kiro war schon etwas mutiger geworden kam er auch wieder unter die „Räder“, fing jedoch an, sich zu wehren..

Das nächste Mal (in der gleichen SKG-Welpenspielgruppe) wehrte sich Kiro schon sehr intensiv und wurde im Spiel immer grober, bis sich die andern Welpen ergaben. Als er auf einem verängstigten und schreienden Welpen sass und ihn immer wieder in den Hals biss nahm ich ihn am Halsband runter und sagte deutlich und bestimmt „Nein“, da es mir nun doch zu grob vorkam. Ich wurde aber von der Übungsleiterin zurechtgewiesen „das ich das nicht dürfe, wenn es nötig sei, machen sie das schon, sonst sei ich ja die böse..“ Nun, es kam mir nicht korrekt vor, aber ich war der Überzeugung, die müssen das schon wissen als SKG anerkannte Welpenspielgruppe..

Eine Woche später in der selben Schule steckten sie Kiro zu den grösseren Junghunden, dort kam er anfangs gleich unter die „Räder“ aber er merkte sehr schnell, auch diese grösseren Hunde kann er „kleinkriegen“, er musste nur einfach stärker kämpfen, was er auch mit Erfolg machte.. Bei den Abrufübungen klappte alles super, denn er mochte es nicht, von Fremden festgehalten zu werden und setzte sich dabei auch ihnen gegenüber langsam zur Wehr, erfolgreich natürlich! Mir wurde „durch die Blume“ gesagt, dass ich nicht erwünscht war und ich suchte mir wieder eine neue Welpenspielgruppe, natürlich auch eine SKG anerkannte.. Ich wollte ja alles richtig machen!

In der neuen Welpenspielgruppe (die Übungsleiterin besass zudem eine eigene Hundeschule) machten wir etwas mehr Übungen als in den andern und Kiro durfte auch hier viel mit den Welpen rumrennen, es war da nicht ein so grosses Problem wenn ich ihn mal selber von einem andern Welpen nahm, aber auch hier wurde mir gesagt, das das nicht nötig sei, sie würden schon eingreifen. Ich glaubte es den „Profis“ und lies unbewusst Kiro weiter Üben, wie man richtig kämpft und gab ihm das Gefühl, das er der Chef sei.. 

Kiro war mittlerweile 14 Wochen jung und biss mich zum ersten Mal, weil ich ihm Abfall aus dem Maul nehmen wollte. Kiro entwickelte immer mehr „Mödeli“, wie zum Beispiel an mir hochspringen und mir in die Jacke oder den Pullover beissen, Sachen die er nahm und die er nicht haben durfte verteidigte er immer stärker, mit Leckerchen konnte ich ihn nur gelegentlich zum „Aus“ bewegen oder er schnappte sich das Leckerchen und den Gegenstand. Auch Wenn ich ihn frei lies kam er nur noch, wenn er gerade sonst nichts zu tun hatte..  

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In der Hundeschule sagte man mir, wenn ich wissen wollte, was ich dagegen tun sollte: „du musst halt schauen“ und lief ohne weitere Erklärung davon.. Obschon ich in dieser Schule noch 6 oder 7 mal den Junghundekurs besuchte, suchte ich mir weitere Schulen, mehr Training konnte ja nicht Schaden.. Doch helfen konnte mir keine. Ich versuchte mein Glück auch in einer „Hündeler-Gruppe“ und einem Verein, jedoch auch ohne Erfolg. 

Über das Internet und eine Kollegin hörte ich von Herrn Oberthaler und seinen Erfahrungen mit Problemhunden. Obschon ich Kiro noch nicht als Problemhund ansah, vereinbarte ich eine Überprüfungsstunde mit meinem mittlerweile 22 Wochen jungen Rottweiler.Herr Oberthaler erklärte mir sehr ausführlich, was ich alles falsch machte und das ich unbedingt der Chef werden müsse, denn die Probleme gingen nicht (wie es andere Schulen sagten) mit der Zeit von selbst weg, sondern würden schlimmer! Es sei sehr wichtig, dass ich so schnell wie möglich daran arbeite und ich selbst müsse noch sehr viel lernen, sonst werde es sehr massive Probleme mit diesem Hund geben..

Ich stand da, irgendwie unter Schock und trotzdem völlig beeindruckt, denn es war das erst Mal, dass mir jemand sagen konnte, was ich falsch machte. Endlich: ich hatte Hilfe gefunden!!! 

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Sogleich buchte ich den ersten Kurs und das Training ging noch in derselben Woche los. In dem noch weiter besuchten Junghundekurs der anderen Hundeschule machten Sie mir von Woche zu Woche mehr Komplimente, weil Kiro schon so gut mitmachte und bald besser Fuss, Sitz und Platz konnte als alle Andern! 

Als Kiro in die Pubertät kam, fing er langsam an, bei anderen Hunden auszulösen, das heisst, er wollte gewisse Hunde regelrecht „auseinandernehmen“ und ich konnte ihn jeweils nur mit grosser Mühe zurückhalten. Herr Oberthaler legte mir Nahe, Kiro einen stabilen Maulkorb anzugewöhnen und wir begannen auf seine Empfehlung auch im Schutzdienst zu trainieren. Ein reines Beutespiel, damit ich lernen konnte, meinen Hund auch in hohen Trieblagen zu führen und Kiro seine Triebe abbauen konnte. Dies war ja geplant gewesen, da ich ja einen Diensthund wollte. 

Etwas später begann ich bei Herrn Oberthaler Einzelstunden zu nehmen. Denn mit der Pubertät und zunehmender Stärke wurde Kiro immer harter und die Probleme immer grösser. Ich dachte damals Kiro hätte vor nichts mehr Angst, doch in Wahrheit überspielte er jede Unsicherheit mit Aggression. Gleichzeitig war Kiro auch sehr dominant. Ich führte ihn schon mit 7 Monaten nur noch mit Maulkorb aus und fast immer an der Leine, denn wenn er vorne nicht beissen durfte drehte er sich um und ging auf mich los, denn ich als Rangniedere hatte nicht das Recht, ihn zurückzuhalten..

Zuhause musste ich oft zusehen, wie Kiro vor meinen Augen irgendetwas zerriss und mich dabei herausfordernd ansah.. Ich konnte es ihm nicht wegnehmen, denn ich wusste zu gut, dass ich einen Kampf mit ihm (ohne Maulkorb) verlieren würde und um ihm nicht noch mehr Siege zu gestatten, ignorierte ich sein Verhalten. Später, wenn ich einen „starken“ Tag hatte, erkämpfte ich mir, was es auch immer war, nur mit psychischem Druck zurück. Dieses psychische Kräftemessen konnte sich locker über mehrere Stunden hinziehen, die mentale Anspannung war das eine, die Körperspannung und vollste Konzentration das andere und ich wusste, einmal begonnen durfte ich nicht nachgeben.. Es war eine schwere Zeit! 

Nur mit positiver Verstärkung oder Korrekturen, waren sie auch noch so intensiv, war unser Problem nicht zu lösen, denn schon zu lange sass Kiro auf seinem Thron und zu oft hatte ich unsere Kämpfe verloren, weil ich gegen einen „zu allem bereiten“ Rottweiler (zuhause ohne Maulkorb) einfach keine Chance hatte. Unsere Probleme besserten sich Zeitweise, doch es gab auch herbe Rückschläge und ich hatte schon einige male darüber nachgedacht, Kiro wegzugeben, doch da er bereits mit 13 Monaten HD und ED mittelschwer bis schwer diagnostiziert bekam, sank die Chance ihn an jemanden zu Platzieren, der ihn auch führen konnte gleich null. Ich hatte diesen Hund gewollt und ich trug die Verantwortung für ihn, also würde ich keinesfalls einfach Aufgeben! Da kam mir meine Sturheit sehr zu Gute. 

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Andy Oberthaler empfahl mir eines Tages, Mentaltraining zu nehmen. Die Arbeit an mir selbst und dann auch die Umstellung meines Lebens trug langsam Früchte. Ich beschloss im Herbst 2004 in den Kanton Aargau zu ziehen, um näher an der Hundeschule zu sein, denn mittlerweile 4 bis 5Hundeschul-Besuche die Woche, pro Weg 100km, dass raubte nicht nur Zeit. Ich fand nach langem Suchen doch noch eine kleine Wohnung, die ich trotz meines Rottweilers bekam. Einen neuen Job fand ich relativ schnell, bei dem ich im Sicherheitsdienst während des Umbaus des Hallenstadions in Zürich mit Kiro im Einsatz stand. Da er schon vorher vor allem nachts auch auf Menschen reagierte, war er eigentlich ein „geborener Diensthund“.Andy warnte mich, die Arbeit werde die Lösung meiner Probleme erschweren und so war es auch. Denn ein Diensthund benötigt eine gewisse Schärfe und teilweise muss die Aggression bestätigt werden und nicht korrigiert. Ich konnte mich immer darauf verlassen, wenn nötig beisst Kiro zu. Er machte seine Arbeit ausgezeichnet und er wusste auch, wenn ich die Uniform an hatte durfte er vieles, was ich sonst korrigieren würde.. 

Im Alltag wurde Kiro von andern Leuten oft unterschätzt, denn Kiro war absolut nicht einfach böse! Wenn ich mit ihm trainierte deutete nichts auf sein „Alptraum“- Wesen hin und er konnte wundervolle Unterordnungen laufen.. Ich verhinderte steht’s, dass er zu andern Leuten konnte oder diese ihn berührten, wenn Besuch kam sperrte ich ihn ins Schlafzimmer, damit die „Eindringlinge“ meine Wohnung unversehrt betreten und verlassen konnten.. Fremde, freilaufende Hunde vertrieb ich Notfalls mit einem Fusstritt, wenn sie uns zu nahe kamen und sie ihre Halter nicht abrufen konnten, den es ist die Aufgabe des Rudelführers, an vorderster Front zu stehen und sein Rudel zu beschützen und genau diesen Posten versuchte ich ja zu erobern. Ich mied steht’s Gebiete und Wege, an denen viele Hunde oder sonstige Spatziergänger unterwegs waren.  

Mittlerweile führte ich Kiro schon recht gut, die Kämpfe gegen mich reduzierten sich immer mehr und ich konnte die meisten Hunde mit genügend Abstand kreuzen, ohne das er gleich ausrastete. Auch nachts lief er relativ ruhig an fremden Menschen vorbei, dass er sich jedes Mal regelrecht „aufblies“ und steht’s bereit zum Angriff war - mit dem konnte ich gut Leben. Die Leute im Quartier liefen auch nicht mehr gleich fluchtartig  davon oder wechselten die Strassenseite, wenn ich mit Kiro unterwegs war. Sein Gehorsam war schon sehr gut! 

Als Kiro knapp eineinhalb Jahre alt war stellte er die Rangordnung wieder intensiv auf die Probe. Und als er sich bei der Arbeit auch noch die halbe Pfote aufriss und ich dummerweise gerade an diesem Tag den Maulkorb vergessen hatte (was mir sonst nie passierte), versuchte ich ihm trotzdem die Pfote zu verbinden. Zu Beginn klappte es gut, doch plötzlich reichte es ihm und ich hatte einen durchgedrehten Rotti auf mir.. Ich dachte schon, - nun sei alles vorbei - doch zum Glück konnte ich ihn von meinem Gesicht und Hals fernhalten. Wir kämpften um unser Leben (jedenfalls ich!!), plötzlich lies er von mir ab und widmete sich wieder seiner verletzten Pfote. Nach mehreren Zigaretten erholte ich mich so einigermassen von diesem Schock und ich wollte ihn ins Auto bringen. Da es draussen sehr kalt war, hatte ich viele Kleider an und zog auch noch die Jacke darüber. Ich ging zur Türe, Kiro kam neben mich und ich wollte ihn wie immer anleinen. Als ich sein Halsband ergriff, „knallte“ er mir ohne Vorwarnung in den Arm. Trotz den vielen Kleidern spürte ich die unglaubliche Kraft seines Bisses, er lies nach einigen Sekunden los. Ohne ihn zu berühren konnte ich ihn dann im Fuss ins Auto versorgen. Meinen rechten Arm konnte ich kaum mehr bewegen und er verfärbte sich in allen Farben von der Hand bis hinter den Ellenbogen. Die Ablösung kam, die Tierklinik war informiert und ich holte den Maulkorb. Wie um alles in der Welt sollte ich ihm den nun anziehen? Ich packte noch ein Glas Nutella ein, da ich gerade kein Le Parfait mehr hatte. Auf einer Abgelegenen Wiese hielt ich an und öffnete seine Box, nachdem ich den Maulkorb mit Nutella präpariert hatte. Kiro knurrte mich an und sprang aus dem Auto. Ich zitterte am ganzen Körper, doch er roch das Nutella und ich konnte ihn doch noch überzeugen, seinen Maulkorb auszuschlecken und konnte diesen schliessen und dann Kiro wieder mit Leckerchen in die Transportbox locken.Beim Tierarzt musste er betäubt werden, da er sich trotz Maulkorb recht gut zur Wehr setzen konnte. Ich sollte nach Hause und ihn gegen Mittag wieder abholen. Auf dem Nachhauseweg brach ich fast zusammen. Alle möglichen Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich überlegte ob ich nicht dem Tierarzt mitteilen soll, sie sollen ihn gleich einschläfern..Ich war am Boden zerstört, ich liebte diesen Hund über alles und hatte gleichzeitig grosse Angst vor ihm bekommen.. Ich tat alles für diesen Hund, doch ich war wohl nicht stark genug ihn führen zu können.. Ich hatte versagt und gab mir die Schuld, wenn er sterben musste! In meiner Verzweiflung, was ich nun tun sollte, rief ich Andy an und er schob mich kurz später für eine Mentalstunde dazwischen. Er empfahl mir, Kiro und vor allem mir selbst noch eine letzte Chance zu geben. Er sagte mir, es könne sein, dass ich dies gebraucht habe, um endlich und für allemal die Schraube anziehen zu können und den Hund so zu führen, wie er es braucht. Nicht nur auf dem Hundeplatz, immer, überall wo mich der Hund beobachten kann muss ich ihm meine Stärke beweisen.  

imgfile30Ich gab uns – zum Glück – diese letzte Chance! 

Ich benötigte mehr als eine Woche um meinen Hund wieder anfassen zu können, solche Angst hatte ich und die nutzte er schamlos aus. Wenn ich ihm den Maulkorb anlegen wollte stand er da und sah mir knurrend und zähnefletschend in die Augen. Den Maulkorb legte ich ihm recht lange nur noch mit Hilfsmitteln wie Le Parfait an und danach erst die Leine, dabei zitterte ich jeweils am ganzen Körper. Es war ein wahr gewordener Alptraum!

Dank Andy Oberthaler und vielen Mental- und Einzelstunden konnte ich mich jedoch aufrappeln und meine Angst abbauen. Ich lernte mehr über Hundepsychologie, um begreifen zu können, was sein Verhalten alles beeinflusst. Die grösste Aufgabe war jedoch, von meinem Hund als Rudelführer akzeptiert zu werden. Dafür musste ich intensiv an meiner Persönlichkeit weiterarbeiten. Kiro führte ich noch konsequenter und harter. Ich lernte wie ich meinen Hund Korrigieren kann. Das waren zu Beginn regelrechte Kämpfe um die Rangordnung, auf die ich mich nur mit Maulkorb einliess. Mit der Zeit konnte ich immer mehr Siege auf mein Konto schreiben und wurde Kiro ein immer besserer Rudelführer.. Ich konnte mich nun auch bei Individuen durchsetzen, die ich liebte. Langsam aber sicher hatte ich den Weg gefunden. 

Es war eine harte Zeit, doch Andy hatte Recht! Ich hatte diesen massiven Zwischenfall gebraucht, um endlich umschalten zu können, meinem Hund ein richtiger Rudelführer zu sein und ich lies nicht mehr zu, dass ich mich aus Liebe unbewusst unterordnete! Kiro akzeptierte meine Stellung immer mehr.Es gab auch danach noch kleine Rückschläge, doch die hielten sich in Grenzen. Kiro zeigt mir steht’s sehr schnell, wenn ich nachliess oder irgendwelche Probleme sich negativ auf meine Stärke als Rudelführer auswirkten. Kiro war mein seelischer Spiegel und er ist es noch heute..  

imgfile26Dieser Hund zeigte mir meine Schwächen gnadenlos auf und Andy Oberthaler öffnete mir die Augen und begleitete mich auf meinem Weg. Ich habe sehr viel von Andy gelernt, ohne ihn hätte ich es nicht geschafft und Kiro würde wie seine Geschwister nicht mehr Leben.

Danke Andy, dass Du an mich geglaubt und uns nie aufgegeben hast! Auch wenn es wohl oft schwer war..

Mit Kiro absolvierte ich, als er 2 Jahre alt war, im Herbst / Winter 2005 erfolgreich zwei BH1 Prüfungen. Zwar nicht mit „Glanz-Resultaten“ aber mit AKZ und auf diese Leistung bin ich Stolz! Denn es beweist, auch mit einem (ehemaligen) Problemhund kann man vieles erreichen! Danach arbeitete ich mit Kiro intensiv im IPO Aufbau und im Diensthundebereich. Das Training musste ich mittlerweile jedoch stark reduzieren, denn seine Gelenke machen ein intensives Training leider nicht mehr mit. Ich bin jedoch zufrieden und glücklich, was ich mit Kiro alles erreicht habe. Er entwickelte sich zu meinem absoluten Traumhund, auch wenn bis ans Ende seiner Tage eine starke Führung und gewisse Vorsichtsmassnahmen nötig sind.  

Nie zuvor hätte ich geglaubt, wie sehr mein ganzes Leben, meine innersten Gefühle und Schwächen sich auf diesen Hund auswirken. Hätte ich damals einen anderen Hund geholt, hätte es höchstwahrscheinlich all diese Probleme nicht, oder nur in einer schwachen Form gegeben, denn Kiro ist und bleibt ein sehr schwieriger Hund. Seine Geschwister und diverse Hunde der gleichen Elterntiere aus vorherigen Würfen erlebten, soviel ich herausfinden konnte, nicht einmal das erste Jahr bevor sie wegen Aggressionsproblemen eingeschläfert wurden..  

Es war mein Schicksal, gerade diesen Hund zu bekommen. Wir haben so vieles zusammen erlebt und durchgestanden, er ist ein treuer Begleiter auf meinem Lebensweg, den ich um nichts auf der Welt missen möchte. Dieser Hund entwickelte sich, zu einem der wichtigsten Teile meines Lebens und formte mich mit zu dem, was ich heute bin und dafür werde ich Kiro immer dankbar sein. 

Nadja Herren

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Seit Ende 2007 gehört auch Calina (Am.Steff.Mischlingshündin) zu meiner Familie, ich übernahm sie vom Berner Tierschutz, doch dies ist eine andere Geschichte..